„Milch braucht besseres Marketing“


Genuss in vollen Zügen: Manche Teilnehmer der Podiumsdiskussion sprachen sich für ein besseres Marketing aus, das zu einem steigenden Milchabsatz führen soll. Foto: dpa
Westerkappeln - Braucht die Milch ein besseres Marketing, um die Milchviehalter aus der Krise zu führen. Diese Meinung wurde jedenfalls bei einer Podiumsdiskussion vertreten, zu der die FDP Kreis Steinfurt nach Westerkappeln eingeladen hatte.


Ein Liter Milch kostet derzeit weniger als ein Liter Wasser oder ein Liter Cola. Wie kann es sein, dass „Zuckerwasser“ teurer ist als Milch und was können Verbraucher dagegen tun ? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am Dienstag auf Einladung der FDP Kreis Steinfurt zahlreiche Zuhörer im Galerie-Café des Kulturhofs Westerbeck.

Auf dem Podium diskutierten Henning Höne, Sprecher Umwelt- und Verbraucherschutz der FDP-Landtagsfraktion, Patrick Löcken vom Junglandwirte-Forum, Elke Wieligmann Ortslandwirtin aus Westerkappeln und Jürgen Bischoff, Mitglied des FDP-Kreisvorstands unter Moderation von Alexander Brockmeier von der FDP Rheine. Reinhard Fiedler, Ortsvorsitzender der FDP Westerkappeln, hatte die Veranstaltung initiiert und begrüßte die in großen Teilen fachkundigen Gäste.

Henning Höne Foto: Silke Behling Gut könne er sich noch daran erinnern, wie er als Kind mit der Milch, die die Kühe vor Ort gaben, aufgewachsen sei. Das seien nur wenige Milchkühe gewesen, anders als heute, wo 200 Kühe in zwei Tagen 2000 Liter Milch liefern: „Das ist ungefähr so viel, wie bei uns Wasser im Keller gestanden ist“, verdeutlicht Fiedler die große Menge Milch, die alleine ein Milchviehbetrieb produziert.

Bischoff, der als Betriebsleiter einer Molkerei tätig ist, gab den Zuhörern zunächst einen Einblick in das Thema Milchwirtschaft. Ein zentrales Problem sei, dass die Milchwirtschaft sich im globalen Markt und im globalen Wettbewerb befinde. Umwelteinflüsse oder große politische Themen hätten deshalb direkten Einfluss auf den lokalen Milchmarkt. So sei der Export nach Russland eingebrochen, der Export von Milchpulver nach China stagniere. Zudem habe der Wegfall der Milchquote zu Mengenerhöhungen geführt.

Jürgen Bischoff Foto: Silke Behling Das habe dazu geführt, dass der Preis für eine 1,5-prozentige Frischmilch beim Discounter von 59 Cent pro Liter auf 42 Cent gefallen sei. Das seien 22 Prozent weniger – im Gegensatz zu einem Liter Cola, der mit etwa 80 Cent stabil geblieben sei. Der stabile Preis für die Limonade sei ein Erfolg des Marketings, das es für die Milch zu verbessern gelte.

Schließlich seien die Voraussetzungen gut, so der studierte Molkereitechniker Bischoff, denn in Norddeutschland gebe es „gute Bedingungen für eine gesunde Milchproduktion“. Ein möglicher Weg sei die Vermarktung von Weidemilch.

In der darauffolgenden Diskussion forderte Henning Höne, die Bedingungen für die Milchviehbetriebe zu verbessern und Regulierungen zu verringern. In diesem Zusammenhang kritisierte er den Wegfall von Randstreifen durch den neu geschaffenen Gewässerschutz und wünschte sich die Erleichterung von kleinen individuellen Lösungswegen wie die Direktvermarktung mittels Milchtankstellen.

Elke Wieligmann Foto: Silke Behling „Ich glaube, man hätte kleineren Betrieben den Ausstieg erleichtern sollen“, meinte der Betriebswirtschaftler Höne und forderte eine Verbesserung der Wertschätzung der Milch.

Agrarbetriebswirt Löcken aus Dreierwalde berichtete, dass die Direktvermarktung auf dem elterlichen Hof die Verbraucher wieder näher an die Milch binde könne: „Wir müssen die Verbraucher wieder mehr dahin führen, wo das Produkt wirklich herkommt.“

Für Elke Wieligmann, deren Familie selbst einen großen Milchviehbetrieb in Sennlich führt, ist die aktuelle Situation oft frustrierend: „Manche denken ans Aufhören“, berichtete sie, „aber sie können nicht, da sie in den Betrieb investiert haben.“ Und auch wenn es Betriebe gebe, die, um ihre hohen Kosten decken zu können, jetzt immer mehr produzierten, was natürlich kontraproduktiv sein, so zeigte sich Wieligmann überzeugt: „Die Milchviehbetriebe wollen keine Quote mehr.“

Patrick Löcken Foto: Silke Behling Dem stimmte Bischoff zu, der mit Blick auf den Weltmarkt meinte: „Wenn wir weniger Milch produzieren, machen es die anderen.“ Aber er betonte auch, dass der Wegfall der Milchquote nicht das einzige Übel sein, dass zu den jetzigen Problemen geführt habe, und verwies noch einmal auf den Weltmarkt und die weggefallenen Exporte.

Zu Diskussionen führte der Preis, den Bischoff nannte: „Für konventionell hergestellte und vermarktete Milch im großen Stil produziert müssen Sie in Zukunft mit etwa 25 bis 26 Cent rechnen.“ Dagegen protestierten mehrere Landwirte aus dem Publikum und auch Landwirtin Wieligmann hielt ihm entgegen, dass die Bauern 32 bis 33 Cent pro Liter Milch bräuchten, um zu überleben: „Das reicht aber nicht, um die jetzigen Verluste aufzufangen.“

Auch die Zuhörer nannten höhere Preise und aus dem Publikum kam der Vorschlag, einen Prominenten als Werbeträger für die Milchwirtschaft zu engagieren. Dass die Milch ein besseres Marketing benötigt, da waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. „Es muss hipp sein, Milch zu trinken“, sagte Bischoff.

Für den Landtagsabgeordneten Höne sind die Betriebe selbst das beste Marketing, seien sie doch ein authentisches Aushängeschild. Dass das im direkten Vertrieb funktioniert, zeigte Löcken auf: „Eine Mutter berichtet, dass ihre Tochter Milch trinke, seitdem sie die bei uns kaufen“, und er ergänzte abschließend: „Ich hoffe, dass die Wertschätzung der Milch steigt.“

Von Silke Behling, Westfälische Nachrichten, Mi. 13.07.2016