Frauenquote in der Privatwirtschaft?

 

Stellungnahme der Jungen Liberalen Kreis Steinfurt

Nach dem Beschluss des Bundesrates vom 21.09.2012 für eine gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen stellt sich uns die Frage nach dem Sinn und Zweck einer solchen Regelung. Vorgesehen sind ein Frauenanteil in Führungspositionen von 20 Prozent im Jahr 2018 und 2023 sogar 40 Prozent. Zur Kontrolle der Unternehmen müsste zunächst eine neue Abteilung, vielleicht sogar eine Behörde, geschaffen werden, welche die Einhaltung der gesetzten Ziele kontrolliert. Daraus folgt ein erhöhter Kosten- und Bürokratieaufwand. Diese Ressourcen sind an anderer Stelle sicherlich sinnvoller aufgehoben.

Ob eine gesetzliche Frauenquote überhaupt einen Nutzen hat, ist mehr als fraglich. Zweck der Quote soll die Gleichstellung von Männern und Frauen sein, indem Unternehmen gezwungen werden, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Weiterhin wird argumentiert, dass Frauen auch ungefähr die Hälfte der Bevölkerung darstellen und es somit ungerecht sei, wenn sie in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Strickt man dieses Argument jedoch weiter, müsste etwa in Zukunft die gesamte Belegschaft eines Unternehmens einen Mikrokosmos der Gesellschaft bilden, indem jede Gruppe ihrem Anteil in der Gesellschaft nach repräsentiert werden müsste. Kriterien könnten dabei neben dem Geschlecht z.B. Alter oder Religion sein. Umgekehrt müsste man auch eine Männerquote für Berufe einführen, in denen Frauen deutlich überrepräsentiert sind, wie bei Erziehern oder im Grundschullehramt.

Auch wenn die Gleichstellung der Geschlechter ein wichtiges Ziel ist, so greift sie in diesem Fall tief in die unternehmerische Freiheit und die Privatautonomie ein. Unternehmen stellen Bewerber nicht mehr nach Qualifikation, sondern nach Geschlecht ein, weil sie es müssen. Hierdurch wird unter Umständen nicht der qualifizierteste und damit produktivste Arbeitnehmer eingestellt, was sich durchaus negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken kann.

Außerdem folgt aus einer so gearteten vermeintlichen Besserstellung der Frauen aber eben auch eine Schlechterstellung der Männer, die für die gleichen Positionen in Frage kämen. Das ist geradezu ironisch, denn wie bereits gesagt, soll das Gesetz der Gleichstellung von Frauen und Männern dienen und nicht der Diskriminierung eines Geschlechtes. Des Weiteren könnte diese Regelung nicht unbedingt dem Ansehen der Frauen zuträglich sein, die in einer quotierten Zukunft Führungspositionen besetzen sollen. Vielfach wird man davon ausgehen, dass eine Frau ihre Position nur aufgrund ihres Geschlechts und nicht wegen ihrer Leistungen innehat. Ob dies der Wahrheit entspricht oder ob eine Frau tatsächlich für die Position qualifiziert ist, würde zweitrangig werden. Sie wäre immer nur die „Quotenfrau“, weshalb auch Frauen selbst einer Quote kritisch gegenüber stehen.

Die Einführung einer Frauenquote ist daher aus unserer Sicht nicht der richtige Weg, um für eine Gleichstellung der Geschlechter zu sorgen. Wichtiger wäre es, für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, vor allem bessere Betreuungsangebote für Kinder, zu sorgen. Hier macht uns vor allem Frankreich einiges vor, welches auf diese Weise zusätzlich zur Erhöhung des Anteils erwerbstätiger Frauen (auch in Führungspositionen), eine Steigerung der Geburtenrate erreicht und damit die Begleiterscheinungen des Demographischen Wandels abmildern kann. Außerdem sollte man versuchen, mehr Frauen für Studienfächer zu begeistern, aus denen sich in der Regel Führungskräfte rekrutieren. Als Beispiel seien hier MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) genannt, bei denen der Frauenanteil immer noch vergleichsweise gering ist.

Florian Wittrock
Kreisvorsitzender JuLis