Hebammen informieren FDP-Fraktion

 

Liberale sichern freiberuflichen Geburtshelferinnen Unterstützung zu

Liberale im Gespräch mit HebammenKreis Steinfurt. Schwere Arbeit, schlechte Bezahlung, dazu horrende Versicherungsprämien, und nun gar drohendes Berufsverbot – auch im Kreis Steinfurt ist die Situation der ca. 110 freiberuflich arbeitenden Hebammen besorgniserregend. Als erste Fraktion im Steinfurter Kreistag hörte sich jetzt die FDP die Sorgen der Hebammen an. Elfriede Brinkmann und Viktoria Borchardt-Ott vom Deutschen Hebammenverband (DHV) gaben in der Fraktionssitzung einen Überblick über die Problematik.

 

Wer sein Kind nicht in der Klinik sondern zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt bringen möchte, muss sich von einer Hebamme betreuen lassen (gesetzliche Hinzuziehungspflicht). Freiberufliche Hebammen, die Frauen nicht nur bei der Geburtsvorbereitung und im Wochenbett sondern auch bei der Geburt betreuen, müssen eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Die Beiträge für diese Haftpflichtversicherung sind für die Geburtshelferinnen von 450 Euro im Jahr 2010 auf inzwischen über 5.000 jährlich angestiegen. Die ersten rund 10 Geburten, die die Hebamme im Jahr betreut, dienen damit allein der Aufbringung der Versicherungsbeiträge. Bedeutet diese finanzielle Belastung an sich schon eine Gefährdung des Berufsstandes, so droht jetzt das endgültige Aus. Denn Mitte 2015 hört mit der Nürnberger Versicherung der letzte große Versicherer auf, den Geburtshelferinnen Haftpflichtversicherungen zu verkaufen. In Verbindung mit der gesetzlichen Versicherungspflicht kommt dies einem Berufsverbot für selbständige Hebammen gleich.

 

Die Problematik betrifft aber nicht nur den Berufsstand der freiberuflichen Geburtshelferinnen, die massiv in ihrer beruflichen Existenz bedroht sind. Für werdende Mütter gäbe es künftig keine Wahlfreiheit des Geburtsortes mehr. Mit dem Wegfall von Hausgeburten und Geburtshäusern hätten die Entbindungsstationen der Krankenhäuser mehr Geburten zu bewältigen. Dass auch die Kliniken oft mit freiberuflichen Hebammen zusammenarbeiten verschärft die Situation zusätzlich. Viele Entbindungsstationen wären von der Schließung bedroht.

 

Die FDP-Politiker versicherten den Hebammen ihre Unterstützung. Hans-Jürgen Streich versprach, die geschilderten Fakten an die Landtagsfraktion weiterzugeben und dafür zu sorgen, dass in der Gesamtpartei ein Gefühl für die Problematik entstünde. „Arbeit muss sich lohnen, sagen wir. Das gilt selbstverständlich auch für die Berufsgruppe der freien Hebammen“, so der Fraktionsvorsitzende. Als mögliche Auswege aus der Misere wurden eine Deckelung der Schadenshöhe und die Einrichtung eines Fonds aus dem die Kosten für Geburtsschäden bezahlt werden können, diskutiert. Angeregt wurde auch, die Krankenkassen bei der Aufbringung der Versicherungsprämien in die Pflicht zu nehmen, da diese im Schadensfall am meisten profitieren.

 

  

 

 

 

 

Bildunterschrift: Elfriede Brinkmann (2.v.r.) und Viktoria Borchardt-Ott (4.v.r.) vom Deutschen Hebammenverband schilderten die Sorgen der freien Hebammen in einer Sitzung der FDP-Kreistagsfraktion.

 

Foto: Luck