Liberale fürchten um Lebensqualität

METTINGEN/RECKE. Die Nordbahn und kein Ende: Jetzt meldet sich in der Debatte, ob auf der Strecke zwischen Recke und Osnabrück wieder Personenzüge fahren sollen, die FDP Kreis Steinfurt zu Wort. Bis auf den Ortsverband in Recke sind auch die Liberalen gegen die Reaktivierung der Bahn.

Die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn ist ein Dauerstreitthema. Jetzt schaltet sich die FDP-Kreistagsfraktion erneut in die Diskussion ein und erneuert ihre Bedenken gegen das Projekt. Bei einem Treffen mit Bürgerinitiativen gegen das Projekt wurde unter anderem kritisiert, dass die Mitarbeiter und Zulieferer von Coppenrath&Wiese die Bahnstrecke mehr als am Tag kreuzen müssten.

 Die FDP-Kreistagsfraktion hat ihre Bedenken gegen die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personenverkehr erneut bekräftigt. In einer Gesprächsrunde mit Vertreten der liberalen Ortsvereine sowie mit Sprechern von Bürgerinitiativen, die eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Recke und Osnabrück ablehnen, wurden die Gegenargumente noch einmal zusammengetragen.

Nach Ansicht der Kritiker leide vor allem die Lebensqualität unter dem halbstündigen Zugverkehr durch die Orte Mettingen, Westerkappeln und Lotte. Allerdings verschweigt der FDP-Kreistagsvorsitzende Hans-Jürgen Streich nicht, dass es mit dem Ortsverein Recke auch Befürworter der Reaktivierung gibt. Der Recker FDP-Mann Thomas Hermann bekräftigte bei dem Treffen im Steinfurter Kreishaus, dass eine Bahnanbindung die Töddengemeinde attraktiver mache.

Die bekannten Kritikpunkte kamen aus Mettingen, Westerkappeln und Lotte. Der Mettinger FDP-Ratsherr Reinhold Heß wiederholte zusammen mit Hans-Jürgen Sieker von der Bürgerinitiative für Verkehrsentflechtung die Befürchtung, der Bahnverkehr teile das Tüöttendorf in zwei Teile. Der vor kurzem von der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) vorgenommene Schrankentest an zwei Mettinger Bahnübergängen hat die Gegner in ihren Befürchtungen bestätigt, dass Zugverkehr im Halbstundentakt zum Verkehrschaos auf den Straßen führe. Sie erinnerten daran, dass rund 2500 Mitarbeiter von Coppenrath&Wiese sowie die Zulieferer der Tiefkühlkonditorei die Gleise täglich mehrfach kreuzen müssten. RVM und Bürgermeisterin Christina Rählmann sahen bei den simulierten Schließzeiten an der Hügelstraße vor Cowi dagegen keine Probleme.

Armin Kirsch von der Bürgerinitiative aus Westerkappeln fügte hinzu, dass Ortsteile, die weit an der Bahnstrecke entfernt liegen, nicht von der Reaktivierung profitieren. In Lotte-Büren führe die Bahn auf rund drei Kilometern an einer gewachsenen Siedlung vorbei. Auch dort befürchten Gegner Beeinträchtigungen, heißt es in einer Pressemitteilung der Liberalen weiter.

Ebenfalls wurden erneut die gutachterlich prognostizierten Fahrgastzahlen von 5600 Personen pro Tag auf der Strecke zwischen Recke und Osnabrück angezweifelt. Nach Ansicht der Kritiker motiviere die Nordbahn die Bürger auch nicht, vom Auto auf den Zug umzusteigen. Sie halten den Ausbau des Busnetzes für die bessere Alternative. Allen voran Hans-Jürgen Streich brach erneut eine Lanze für die Schnellbuslinie 10 von Recke nach Osnabrück: „Die S10 bietet ganze 38 Haltepunkte, während es auf der Tecklenburger Nordbahn nur acht wären.“ Und davon, so Streich, wäre kein einziger in der Nähe von Universität und Fachhochschule.

An der Gesprächsrunde über die Nordbahn nahm auch der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landesfraktion, Ulrich Reuter, teil. Über das Nordbahn-Projekt entscheide der Landtag. Um ein Stimmungsbild zu erhalten seien die Gemeinderäte aufgerufen, ihre Standpunkte zu formulieren. Reuter betonte, dass die mit der Streckenuntersuchung beauftragten Unternehmen „seriöse Gutachter“ seien. Die Ergebnisse müssten ernst genommen werden. Gerade gegen diese Gutachten richtete sich aber auch ein Teil der Kritik bei den Bahngegnern.

 Foto: Oliver Langemeyer