FDP im Kreistag will Vollbremsung

Den Befürwortern einer Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn (TNB) kann es gar nicht schnell genug gehen. Erst vor kurzem hatte die Bürgerinitiative „Pro Tecklenburger Nordbahn“ bei einer Versammlung in Westerkappeln mehr Tempo angemahnt. Die FDP-Kreistagsfraktion plädiert dagegen eher für eine Vollbremsung. Sie sähe die Trasse lieber zum Radweg umgebaut und spricht sich für Alternativen aus.

Der Kreistagsfraktion der Liberalen bemängelt in einer aktuellen Stellungnahme besonders die fehlende Diskussion um mögliche Alternativen zur Nordbahn, aber auch die hohen Kosten einer Neubelebung.

„Dass die Initiative zur Wiederbelebung der Tecklenburger Nordbahn jetzt die Diskussion um die notwendigen Änderungen im ÖPNV aufgreift, um für ihre Ideen erneut zu werben, ist verständlich. Dennoch bleiben verschiedene Aspekte zu wenig berücksichtigt“, wird Hans-Jürgen Streich, Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion, in der Stellungnahme zitiert. Die Reaktivierung der TNB solle – Stand heute – rund 40 Millionen Euro kosten. Nach den Preissteigerungen der vergangenen Jahre seien eher 50 Millionen Euro realistisch. „Das bedeutet für jeden Meter der Bahnstrecke einen Kostenaufwand von etwa 1500 Euro oder mehr“, erklärt Streich. Darüber hinaus sei die geschätzte Beförderungszahl von 6000 Personen pro Monat auch nicht wirklich realistisch. Das zeige die Reaktivierung der Bahn von Osnabrück nach Bielefeld „Haller Wilhelm“. Die angepeilten Fahrgastzahlen seien dort nach der Reaktivierung bis heute „nicht annähernd erreicht worden und stellen somit eine dauerhafte Belastung des Steuerzahlers da“, glaubt Streich.

Ergänzt werden seine Ausführungen von der verkehrspolitischen Sprecherin der Kreistagsfraktion, Wiebke Reerink aus Hopsten, die laut Mitteilung der FDP selbst Verkehrsingenieurin ist: Neben den Kosten stünden zwei weitere Aspekte im Zentrum der Diskussion. Ungelöst blieben bei dem Reaktivierungskonzept die Probleme der ersten und der letzten Meile, also die Anfahrt zum Bahnhof in Recke und die Strecken vom Hauptbahnhof in Osnabrück zur Arbeitsstelle oder zum Einkauf in der Innenstadt von Osnabrück. Zusätzlich trete die Reaktivierung der Strecke in Konkurrenz zur bereits jetzt bestehenden Bahnverbindung RB61 von Rheine über Hörstel nach Osnabrück und zu den bestehenden Busverbindungen. „Wir fragen uns also, ob die hohen geplanten Investitionskosten nicht sinnvoller anders angelegt werden könnten“, so Reerink.

„Stellen wir uns doch vor, dass mit der gleichen Summe jetzt die Struktur des Busverkehrs auf Elektro- oder gar Wasserstoffbetrieb angepasst werden würde.“ Der Kreis sei Vorzeigekreis für die Entwicklung der Wasserstofftechnologie. Neue Tankstellen sollten entstehen und könnten gebaut werden. „Das gesamte System wäre mit Bussen weitaus flexibler und würde viel besser die Probleme von An- und Abfahrt lösen“, wird Reerink zitiert. Elektrobusse seien schneller verfügbar und schon lange im Einsatz. Die Strecken vor Ort und die Fahrgastzahlen seien bekannt und müssten nicht geschätzt werden – und dies alles mit vermutlich deutlich geringerem finanziellen Aufwand.

Die FDP-Kreistagsfraktion kündigt an, in der Konsequenz ihrer Zweifel zum Ende dieses Jahres eine öffentliche Diskussion zu den genannten Problempunkten mit allen Beteiligten führen zu wollen. Die geplante Diskussionsrunde solle unter dem Motto „Was wäre, wenn…“ sowohl die Entwicklungen in die Reaktivierungsrichtung für die TNB als auch in die möglichen Alternativen mit Busbetrieb, E-Bussen und Wasserstoff beleuchten.

Des Weiteren könne sich die FDP vorstellen, die Bahntrasse als Radweg umzugestalten, so Hans-Jürgen Streich.