FDP-Ortsverbände Westerkappeln, Mettingen und Recke beim „Tag der Landwirtschaft“ auf Höfe-Tour

Bauern wünschen sich mehr Planungssicherheit

FDP-Ortsverbände Westerkappeln, Mettingen und Recke beim „Tag der Landwirtschaft“ auf Höfe-Tour

Gute Bedingungen für das Tierwohl: Auf dem Hof Oelgemöller in Obersteinbeck machten sich die Teilnehmer der Rundreise ein Bild von der modernen Offenstall-Strohhaltung.FDP

 

Aus IVZ am 10.9.2021

WESTERKAPPELN/METTINGEN/RECKE. Dennis Nieporte, FDP-Ortsvorsitzender in Westerkappeln, bewirtschaftet im Nebenerwerb einen landwirtschaftlichen Betrieb mit etwa sechs Hektar Fläche. Deshalb hat er vermutlich ein besonders offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bauern. Nun hat sich Nieporte mit Liberalen aus Westerkappeln, Mettingen und Recke aufgemacht, um sich vor Ort mit Landwirten über deren Probleme zu unterhalten. Bei der zum „Tag der Landwirtschaft“ ausgerufenen Rundreise war auch Gero Hocker, agrarpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, dabei.

Los ging´s in Recke-Obersteinbeck auf dem Hof von Josef Oelgemöller, der sich laut einer Presseinformation der Freidemokraten im Nebenerwerb mit einem innovativen Konzept in einem harten Markt zu behaupten versuche. In seinem Familienbetrieb werde mit Sauenhaltung und angeschlossener Mast Qualitätsfleisch produziert. Dabei böte eine moderne Offenstall-Strohhaltung beste Bedingungen für das Tierwohl.

Doch trotz der cleveren Produktion seien auch in Obersteinbeck rasch generelle Problem nahezu aller Betriebe mit Viehhaltung zur Sprache gekommen, schreibt die FDP: komplizierte und von den Anforderungen her nicht selten widersprüchliche Genehmigungsverfahren und allem voran fehlende Planungssicherheit.

„Wir Landwirte denken in Generationen, die Vorgaben sind aber so, als ob wir alle 20 Jahre einen neuen Stall bauen könnten“, wird Matthias Lambers zitiert, dessen Familie in Mettingen, der nächsten Station der Landwirtschaftstour, ebenfalls im Nebenerwerb einen Hof mit Aufzucht und Bullenmast betreibt. Thomas Hermann, FDP-Vorsitzender in Recke, meinte, dass die Landwirtschaft in jeder Hinsicht unter Druck stehe, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich. Hier in der Region genieße der Berufsstand aber noch ein hohes Ansehen. Auch die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten zeuge von Vertrauen.

Stefan Wünsch, FDP-Ortsvorsitzender aus Mettingen, ergänzte, wenn Landwirte pauschal als Tierquäler und Umweltzerstörer verunglimpft würden, sei das nicht fair. Das betonte auch Gero Hocker, der auf eine Studie aus Niedersachsen hinwies, die nachgewiesen habe, dass beispielsweise ein beträchtlicher Anteil an Nitratbelastung im Grundwasser durch marode Abwasserleitungen verursacht werde.

Auf dem Hof Leyschulte in Westerkappeln-Seeste endete die Besuchstour. Dort bewirtschaften die Familien Leyschulte und Steer einen Zucht- und Milchviehbetrieb mit 140 Kühen. Landwirtin Katharina Leyschulte (27) hob hervor, dass ihr Beruf sehr vielseitig sei. Letztlich seien Landwirte auch Meteorologen, Tierärzte, Ernährungsfachleute, Architekten und Biologen in einem. Der Hof stellt seine Arbeit transparent auf den gängigen Social-Media-Kanälen dar und bietet Hochschulen die Gelegenheit zur agrarwissenschaftlichen Zusammenarbeit.

Auch auf dem Hof Leyschulte gibt es laut Mitteilung wenig Verständnis für praxisferne Bestimmungen. So habe kürzlich der Bundesrat darüber entschieden, Kälber nicht – wie bisher – nach 14 Tagen, sondern erst nach 28 Tagen transportieren zu dürfen. Grundlage sei eine auch unter Tierärzten umstrittene Aussage zur immunologischen Lage junger Kälber. Problematisch sei gewesen, dass im Vorfeld mit Rinderhaltern nicht einmal im Ansatz Gespräche gesucht worden seien. Die neue Regelung habe aber drastische Auswirkungen auf die Aufzucht der Kälber und erfordere innerhalb einer kurzen Übergangsfrist mehr Stallfläche, mehr Personal und einen ganz anderen Transport.

Über den Tag hatten sich auf den Höfen und der Schlussveranstaltung bei Leyschultes laut Mitteilung etwa hundert an Landwirtschaft interessierte Menschen eingefunden. Gero Hocker bemängelte in der Schlussdiskussion, er erlebe in Berlin, dass für die Landwirtschaft zu viele Regelungen nicht faktenbasiert auf wissenschaftlicher Grundlage, sondern oft aus dem Bauch heraus getroffen würden.